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An der Arche um Acht // 6+

Hubs Text gibt keine Antworten, aber er stellt alle Fragen, die zu stellen sind. Am Ende ist man nicht unbedingt religiöser oder auch agnostischer als vorher, aber man verfügt über ein besseres Instrumentarium im Umgang mit Glauben und Zweifel. Nur eines lässt das Stück bestimmt nicht zu: fundamentalistische Haltung gleich welcher Couleur. Es erstickt sie in einem großen Lachen. Denn wenn ein Pinguin behauptet, er wisse, wie Gott beschaffen sei, dem schleudert die weiße Taube entgegen: „Gott ist doch kein Pinguin!“

 

Ein biblischer Stoff aus einer anderen Sicht

„Pinguine gelten als sehr beliebte Tiere, die leidenschaftlichen Zuspruch auslösen können. Die hüpfenden, daherschliddernden und watschelnden Vögel erheitern Jung wie Alt.“ (wikipedia). Sie sind beliebte Identifikationsfiguren. Deshalb begleiten Kinder wie Erwachsene gerne die theologische Exkursion der sympathischen Tiere in die Welt des erzählten Mythos. Die biblische Geschichte erscheint in einer neuen Perspektive, ohne an Tiefgang zu verlieren. So wird Gottfried Wilhelm Leibniz’ „Theodizeefrage“ in einem unbeschwerten und humorvollen Diskurs gelöst.

„Nie habe ich mich so sehr an die Gedanken meiner frühen Kindheit erinnert gefühlt, selten habe ich so gelacht, wie bei der Lektüre dieses Textes. Und kaum wurde mir jemals bewusster, dass ich Fragen, die ich vor vielen Jahren hatte, nicht beantwortet sondern nur zur Seite gelegt habe“.  (Marc Günther, Regisseur)

Mit wunderbarer Leichtigkeit entfalten sich hier all die schwierigen Fragen, die sich aus der religiösen Erfahrung im Spannungsfeld zwischen Glauben und Zweifel entwickeln. Gottesbeweis, Sinn der Schöpfung, Tod, Moral, Allmacht und Furcht, Schuld und Liebe, Ordnung und Strafe, Grenzen der Erkenntnis, Hoffnung und Resignation – alles dieses wird zum Thema eines Clownspiels, einer Slapstickfarce der letzten Dinge, ohne jemals dabei einen Zeigefinger zu erheben, kindlich-kindhaft und doch auf der Höhe jeder religionsphilosophischen Abhandlung. Ein Beckettsches Endspiel für Kinder und Erwachsene mit drei Pinguinen, die frappant an Chaplins Trampfiguren erinnern.

Zum Autor

Ulrich Hub wurde 1963 in Tübingen geboren. Er absolvierte ab 1985 eine Schauspielausbildung an der Hochschule in Hamburg und arbeitet als Schauspieler, Regisseur, Bühnen- und Drehbuchbuchautor  an verschiedenen Theatern. Er lebt in Berlin. Für sein Schauspiel „Die Beleidigten“ erhielt der 1997 den Preis der Frankfurter Autorenstiftung sowie den Preis des Heidelberger Stückemarkts, für das Kinderstück  „Pinguine können keinen Käsekuchen backen“ 2000 den niederländisch-deutschen Autorenpreis für Kinder- und Jugendtheater „kaas & kappes“. Für „An der Arche um acht“ wurde er im Jahr 2006 mit dem Deutschen Kindertheaterpreis und dem Deutschen Kinderhörspielpreis ausgezeichnet.

 

Der 1963 geborene Wahlberliner gilt derzeit als äußerst gefragter Bühnenautor, und zwar gleichermaßen für das Erwachsenen- wie für das Kinder- und Jugendtheater. 2001 wurde er mit dem Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreis „Kaas und Kappes“ ausgezeichnet. Sein jüngstes Stück entstand auf Anregung des Verlags der Autoren, der an fünf Theater Stückaufträge zum Thema „Religion“ vergab. Auch wenn der Vorgang des Schreibens für Kinder kein anderer sei, als der für Erwachsene, schätzt Ulrich Hub die Möglichkeit, einem jungen Publikum in einer anderen Weise erzählen zu können, zum Beispiel Tiere autreten zu lassen, Schauspieler zum Singen zu bringen und ein eigenes System der Logik zu entwerfen. Begeistert hatte er zugesagt, als das Angebot kam, etwas über Religion zu schreiben. „Es ist ja eigentlich immer die Schwierigkeit des Autors, ein geeignetes Thema zu finden,“ sagt Hub, „ich mag es ganz gerne, ein Thema gestellt zu bekommen, und dann solch ein ganz großes Thema, wo es heute doch oft nur um so wenig geht.“

Katholisch aufgewachsen hat Hub seine Schwierigkeiten mit der Religion: „Ich glaube nicht an einen Gott, sehr wohl aber an persönliche Werte, Zivilcourage, Toleranz, Freundschaft, Liebe und Vertrauen. Da kann man auch sagen, das ist Gott.“ Zur Vorbereitung auf sein Stück hatte Hub erst einmal wieder die Bibel gelesen und war ganz glücklich, dass er auf die Geschichte von Noah und der Arche stieß, weil er hier einen Gott vorfand, der eine Wandlung vollzieht und am Ende zur Einsicht kommt, die Menschen nicht mehr so zu bestrafen. Bei Hub allerdings sind es die Tiere, die im Mittelpunkt stehen. „An der Arche um acht“ handelt von der Verabredung, die die Taube mit zwei Pinguinen getroffen hat, denn sie gehören zu den Auserwählten, die auf die Arche Noah dürfen. Das stellt die beiden vor ein großes Problem: sie können unmöglich ihren Freund, den dritten Pinguin, im Stich lassen. Doch dann kommen sie auf die rettende Idee… Mit Leichtigkeit und Witz nimmt Ulrich Hub die große Frage nach Gott ernst, doch gibt er keine abschließenden Antworten: „Ich erkläre nicht, wer Gott ist, ich erzähle verschiedene Möglichkeiten, aus denen sich die Kinder eine auswählen können. Es geht mir um die Freiheit des Glaubens, die hier verhandelt wird.“ >