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Lukas

Jugend ohne Gott

Durch die Vielschichtigkeit der Themen und ihre Nicht-Einbettung in einen konkreten historischen Kontext ist es Ödön von Horvath 1933 gelungen mit "Jugend ohne Gott" einen Roman zu schreiben, der bis heute nicht an Aktualität verloren hat.
Nach wie vor beschäftigt junge Menschen die Frage, inwieweit man wahrhaftig sein kann, wo die Grenzen von Wahrhaftigkeit liegen, wenn es ums eigene Überleben geht.
Unsere Inszenierung erzählt von kindlicher Neugierde, den Dingen bis auf den Grund gehen zu wollen, und deren Perversion, welche darin gipfelt, daß ein Mord begangen wird, um zu zusehen, wie ein Mensch stirbt. Die Inszenierung beschäftigt sich mit der Frage, was passiert in einer Welt, in der es für junge Menschen keine Vorbilder mehr gibt, wo selbst die Eltern abwesend zu sein scheinen. Sie zeigt die Unmöglichkeit sich selbst zu begegnen und in einer solchen Zeit Liebe zu leben. Dies ist nur möglich in Form von Gleichgültigkeit oder Brutalität. Verletzende Dinge zu tun, damit man spürt, daß man lebt ist auch heute ein weitverbreitetes Phänomen unter Kindern und Jugendlichen.

Welche Rolle spielen die Medien, wie beeinflussen sie das Denken und Reden junger Menschen? Die besondere Form der Inszenierung, nämlich die eines Seh-Hörspiels, kommt einerseits den heute medienüberfrachteten Jugendlichen in ihrer Klarheit sehr entgegen, andererseits zeigt die Inszenierung den Einfluss und die Manipulation durch sie.

Welche Kraft ein Mensch auslösen kann, der sich in dieser Welt der Wahrheit verpflichtet, und welche Energien er dadurch bei anderen freisetzt, auch davon handelt unsere Inszenierung. Aus den Fehlern und Zweifeln zu lernen, daß war Horvaths Wunsch an die Jugend, "wenn nur einer mein Buch liest, bin ich glücklich!"