«
Parzival59

Parzival

Notiz des Autors:

Sehr viel Persönliches, wie könnte es anders sein, ist in diese Parzival-Figur hineingeschrieben. Ich kenne sie ja schon so lange. In meiner frühen Jugend war sie hell, mutig, idealistisch, und was ich getan und gedacht habe als Vierzehnjähriger in der Kriegszeit, es geschah immer mit dem Blick auf diese Figur. Parzival war der Ritter, der mir voraus und manchmal neben mir her ritt, mit seinen Augen wollte ich die Welt ansehen. Wie er wollte ich mich von meiner Umgebung absondern, den besonderen Weg gehen, den andere noch nicht betreten hatten. Ich verachtete in meinem pubertären Hochmut die Gesellschaft, aber eine Art Ritter wollte ich dennoch werden. Wie Parzival war ich einfältig, wußte nicht, was unter der eisernen Haut für ein Herz schlägt.

Und ich wäre wohl, als alle Welt und ich selber sahen, welche Verbrechen in meinem und in Parzivals Namen geschehen waren, gern zurückgekehrt in die Wälder und Wildnis des Anfangs, um mich darin zu verstecken. Der Wald aber war abgeholzt, die Stadt verwüstet, die Getöteten standen nicht wieder auf. Nun haßte ich den Knaben Parzival, er schien mir ein Heuchler zu sein. Ich wollte mich von ihm fernhalten, sah ihn gehen und sprang ihm doch nach, um ihm immerfort zuzurufen: Du hast mich enttäuscht! Du hast mich betrogen! Ich bin in Wahrheit nie so gewesen wie du, ich bin von dir verführt worden zur unwissenden Teilnahme an deinen Verbrechen!

Tankred Dorst