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Mich interessiert das Leben in seiner unsinnigen Erscheinung....Daniil Charms
 

Liebes Publikum,

zwei Premieren, zwei Stücke die unterschiedlicher nicht sein können, beide haben Begeisterung ausgelöst, Überraschung über andere Formsprachen und neue Gesichter.  Vermeintlich Unsinniges und schmerzhaft Unsinniges, Grenzsituationen laden ein und fordern auf, sich Positionen zu suchen, sich im Weltsein zu definieren.
In der Szenencollage „Zwischenfälle“ begegnen sich Menschen und rutschen aneinander ab, fallen, weil sie nicht einhaken konnten. Sprache wechselt Bedeutung sobald sie den anderen erreicht, bricht sich Bahn in Bewegung, an der Schulter bleibt ein Aufleuchten von Zärtlichkeit, Lachen befreit das Zwerchfell.
Ganz anders in  „Nichts“, zwar ist auch hier der Auslöser die „unsinnige Erscheinung“- ein 13jähriger, der sich auf einen Baum setzt und nichts mehr tut,- sie fordert heraus bis zum Äußersten zu gehen um dem Unsinnigen Sinn entgegen zu setzen: hier graben, stechen, hauen, triumphieren-  verletzen sich junge Menschen, Sprache tritt hinter der Tat zurück und Tat wechselt die Bedeutung, wird unsinnig weil sie nicht erreicht, was sie bewegen wollte.
Bewusst hat man für diese Arbeiten neue Wege gesucht. Bei der Stückentwicklung zu „Zwischenfälle“ wurde sehr schnell deutlich, dass die gemeißelte Charms’sche Sprache nach mehr als Sprechtheater ruft, in der Bewegung erreicht sie weitere Schichten und entfaltet neue Angebote, in der Musik eröffnen sich andere Atmosphären. Mit dem Choreographen Gary Joplin und dem Musiker Amir Teymuri hat der Regisseur Stephan Weiland wunderbare Mitstreiter gefunden den absurden Alltagsunsinn fühlbar zu machen. Unsere Schauspieler sind in der Zusammenarbeit mit der Tänzerin Dagny Borsdorf in Bewegungen geraten, von denen sie zuvor nicht wussten, dass sie sie in sich haben, die nun aber  lustvolles Werkzeug geworden sind, Sprache zu erweitern.
Einer neuen Erfahrung hat sich die Schauspielerin Nadine Werner mit ihrem Regiedebut aussetzen wollen, „mit Gleichaltrigen was machen“ war ihr Ausgangspunkt. Im Haus ist sie damit auf offene Ohren gestoßen, schon lange besteht der Wunsch jungen Schauspielern Raum zu geben, andere Spielweisen auszuprobieren, in’s Repertoire vorzustoßen, das sich einer anderen Sprache bedient. Wir freuen uns, dass die Form der Aneignung dieses nicht ganz leichten Romans den Nerv, besonders der jungen Zuschauer, trifft. Spannung, Spielfreude und  manchmal ein Augenzwinkern lassen dennoch genügend Raum dieser bohrenden Sinnsuche zu folgen und sich diskursiv auf einen eigenen Weg zu begeben.
Einen ganz eigenen Weg hat Don Quijote gewählt, das Schöne, das Phantastische zu schaffen, sich Welt anzueignen, wie Kinder es tun, gegen Riesen und Zauberer zu kämpfen, vermeintlich Unsinniges tun um dem eigenen Sinn gerecht zu werden. Rund ums Becken finden  sich die Abenteuer eines Ver-rückten im Kampf um Sinnstiftendes, begeisternd für Groß und Klein.
     Nicht gegen Riesen und Zauberer, aber für Frauen, die große Kompetenzen erworben haben und viel zaubern müssen um in ähnliche Positionen zu kommen wie Männer, werden wir am 9. März in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademikerinnenbund aus dem im Kore-Verlag erschienenen Buch „Und nun gehen Sie hin und heiraten Sie!“ lesen. Vorgestellt werden bekannte Freiburger Akademikerinnen des 20. Jahrhunderts, ihre Ziele, ihre Möglichkeiten, die Schwierigkeiten auf die sie gestoßen, die Solidarität die sie erfahren haben...im Anschluß laden wir dann zu einem Podiumsgespräch über die heutige Situation: inwieweit haben sich die Fragestellungen verändert, welche Umstände bestimmen heute die Karrieren der Frauen mit akademischer Ausbildung.
 Sinnlich musikalisch, und sicherlich als besondere Erscheinung auf diesem Spielplan laden Klaus Theweleit und Christian Schaeffer und Walter Berger zu einem Konzertabend zwischen Free Jazz und Schönbergh, lustvoll interpretiert, frei improvisiert und zu einem Fest ein. Gebeten sind Freunde und Interessierte, der Eintritt dient sinnvoll der anschließenden Bewirtung.

In diesen verschiedensten „Erscheinungen“ freuen wir uns auf ihren Besuch...
 

 Ihr Theater im Marienbad