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Regie: Stephan Weiland
Choreographie: Gary Joplin
Bühne: Bernhard Ott
Kostüm: Sabine Steinort
Musik/Komposition: Amir Teymuri
Dramaturgie: Sonja Karadza
Regieassistenz: Julia Bachmann

Es spielen:
Dagny Borsdorf,
Renate Obermaier,
Nadine Werner
Dietmar Kohn,
Heinzl Spagl

Technische Leitung: Bernhard Ott
Licht: Bernhard Ott, Hanna Rebstock

Bühnenbau: Bernhard Ott, Manfred Loritz, Hanna Rebstock,Felix Kremser

Rechte: Verlag der Autoren, Frankfurt

Für Jugendliche und Erwachsene

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Zwischenfälle

Szenen von Daniil Charms

 „Es ist gefährlich über alles nachzudenken, was einem so einfällt“ D. Charms

Liegt es an der Krise, dass Milliardäre in Amerika herumlaufen wie Bettler? Ist es möglich, dass man übergroße Neugierde mit dem Leben bezahlen muss? Weshalb kriegen manche Frauen jeden Mann, obwohl sie so schön nun auch wieder nicht sind? Ist es besser über manche Menschen erst gar nicht zu sprechen, weil sie so unbedeutend sind? Warum können kluge Menschen dennoch keinen kühlen Kopf bewahren? Was tut in diesem Augenblick der Mann, der einfach so im Wald verschwand? Wie ist die Weigerung des Wundertäters zu verstehen, keine Wunder vollbringen zu wollen? Warum steht der unangemeldete Besuch immer dann vor der Tür, wenn man ihn gar nicht brauchen kann? Und wie bitte, wird man den Hammer los, der einen schon seit Tagen in der Kehle stört?

Daniil Charms, so eines der etwa 30 Pseudonyme Daniil Ivanovic Juvacevs, wurde 1905 in Petersburg geboren.  Ihn, den Meister des Absurden, interessierte nur der „Quatsch“, „das Leben nur in seiner unsinnigen Erscheinung“. Seine Alltagsbeschreibungen wirken komisch und sind durchaus als Vorläufer von Mr. Bean oder Loriot zu verstehen. „Doch nicht seine Erzählungen sind absurd und alogisch“, schreibt sein Freund Jakov Druskin, „sondern das Leben, das er in ihnen beschreibt“. „Wir lachen“, so sein Übersetzer Peter Urban, „doch das Lachen bleibt einem im Halse stecken, führt man sich vor, unter welchen Umständen Daniil Charms gelebt hat: Bürgerkrieg, Hunger, Terror, Brutalisierung des Alltags, Schrecken des politischen Lebens und nicht zuletzt das Hausen in Zwangsgemeinschaften, den sogenannten Kommunalkas“. All diese Erfahrungen stecken in seinen Texten, und dennoch oder gerade deswegen bereiten sie uns großes Vergnügen. Es ist der kindliche Blick Daniil Charms` auf uns scheinbar Vertrautes, der dies möglich macht. In seinen Texten wird deutlich, dass die Realität, wie wir sie begreifen, nur eine Konstruktion ist, die durch geringste Verschiebungen oder Störungen einen neuen Sinn erfährt bzw. den ursprünglichen ad absurdum führt. Die Grenze zwischen Einbildung und Realität ist fließend, selbst der Gegenstände ist man sich nie sicher, auch diese führen ein Eigenleben. Daniil Charms starb, kurz nach Beginn der deutschen Blockade Leningrads, unter ungeklärten Umständen im Gefängnis Kresty, es heißt, er sei verhungert.

Um diesem Eigenleben der Dinge und Menschen in Charms` Texten gerecht zu werden, um eine angemessene Übersetzung dafür zu finden, erweiterte der Regisseur Stephan Weiland das vierköpfige Schauspielensemble um die Tänzerin Dagny Borsdorf. Diese fünf Darsteller treffen in über 60 Rollen aufeinander. Die Choreographien von Gary Joplin und die Musik Amir Teymuris ermöglichen im Bühnenbild von Bernhard Ott ein unvermutetes Aufeinandertreffen von Text, Tanz und Musik.