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Es spielen: Dominik Knapp, Daniela Mohr, Christoph Vetter

Regie: Stephan Weiland
Ausstattung/Licht: Bernhard Ott
Choreographie: Salim Ben Mammar
Dramaturgie: Sonja Karadza
Regieassistenz: Mareike Mohr
Technische Leitung: Bernhard Ott
Bühnen-, Licht- & Tontechnik: Bernhard Ott, Felix Kremser, Hanna Rebstock
Bühnenbau: Dominik Knapp, Felix Kremser, Bernhard Ott, Hanna Rebstock, Christoph Vetter
Schneiderei: Hanna Rebstock

Rechte: Verlag der Autoren, Frankfurt am Main

Asd

Die Reise nach Brasilien oder Wie Kolja nach Brasilien flog und Petja ihm nichts glauben wollte

Und ist das Brasilien? – fragte Petja.
Siehst du es denn nicht selber, Esel! – sagte Kolja.
"Ich fahre nach Brasilien", sagt Kolja eines Tages zu seinem Freund Petja. Der will das erst nicht glauben. Trotzdem machen sich die beiden am nächsten Morgen auf den Weg zum Flughafen und treffen tatsächlich auf einen Piloten, der sie in sein Flugzeug steigen lässt, um sie nach Brasilien zu fliegen. Der Flug ist wahnsinnig spannend, nur der Motor geht ein biss-chen laut. Und unten auf der Erde scheint alles winzig klein und schräg. In Brasilien ist es heiß, es gibt Affen und Papageien und angriffslustige semmelblonde Ureinwohner mit Kopf-schmuck aus Heu und Stroh. Indianer? Kolja und Petja werden von Bisons gejagt - und plötz-lich kommt ein Ungeheuer auf sie zugeschossen.

 

Über den Autor

Der russische Schriftsteller Daniil Charms wurde 1905 in St. Petersburg geboren und starb vermutlich an Hunger während der Blockade Leningrads 1942 in der Gefängnispsychiatrie. Er sagte von sich: »Mich interessiert nur der Quatsch; nur das, was keinerlei praktischen Sinn hat. Mich interessiert das Leben nur in seiner unsinnigen Erscheinung«.
Von weitgehendem Veröffentlichungsverbot für seine Gedichte und Prosa betroffen, konnte Charms wie auch seine Dichterfreunde der OBERIUTEN - gegen ein geringes Honorar – ihre Texte nur in einer der neu entstehenden Kinderzeitschriften veröffentlichen. Deren Gründung erfolgte im Zuge der aufkommenden Bedeutung von Kinderliteratur für die nach der Revoluti-on notwendig erachtete ästhetische Erziehung. Dem im Dezember 2013 verstorbenen Über-setzer Peter Urban ist es zu verdanken, dass das verschollen geglaubte Werk Daniil Charms in den siebziger Jahren wieder entdeckt und übersetzt wurde.

Zur Inszenierung

In Stephan Weilands Inszenierung treffen wir auf drei seltsame Gestalten, deren Existenz und Rollenzuschreibung sich aus einer brüchig erscheinenden Wirklichkeit zusammensetzt. Dafür hat Bernhard Ott einen Raum geschaffen, der deren Flüchtigkeiten einfängt und den Spie-ler*innen die Möglichkeit bietet, die Geschichte(n) ihrer Reise zu erzählen. Das Publikum ist eingeladen, in diese Welt einzutauchen, mitzuerleben, wie Bilder, Klänge und Geräusche, Figuren und Szenen entstehen und sich Etwas auftut, das vorher noch nicht existierte. Jen-seits der Grenze von Sprache nimmt sich Salim Ben Mammars Choreographie jener Momen-te an, die sich nur über Körper und Bewegung ausdrücken lassen. Die Inszenierung fragt nach der Kraft der Phantasie, danach, welche Realität überhaupt existiert und konfrontiert den Spaß am Spiel mit einer philosophischen Fabel für Kleine und Große. Mit "Die Reise nach Brasilien" setzt das Theater im Marienbad seine Auseinandersetzung mit Daniil Ivanov Charms (so sein bekanntestes Pseudonym) als einem lange unbekannt geblie-benem Vertreter der russischen Absurden fort. Nach der erfolgreichen Inszenierung "Zwi-schenfälle" 2012, die weitgehend bereits für das Theater geschriebene Szenen benutzte, nähert sich die neue Inszenierung dem Autor und seinem 1928 veröffentlichten Text aus neuer Perspektive – der übrigens nach eigenem Bekunden zwar Kinder nicht immer ausste-hen konnte, ihnen aber vielleicht die schönsten Geschichten hinterlassen hat.