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Regie: Marc Günther
Bühne, Kostüme: Ilaa Tietz
Dramaturgie: Sonja Karadza
Technische Leitung, Licht:  Bernhard Ott
Ton:  Ingo Burghardt, Nikolaus Rapp
Musikalische Leitung: Michael Summ

es spielen:
Daniela Mohr                  
Renate Obermaier           
Nadine Werner                
Hubertus Fehrenbacher
Dietmar Kohn
Christoph Müller
Heinzl Spagl                                            

Bühnenbau: Martin Baldenhofer, Tommi Müller, Tom Toussaint
Bühnentechnik: Mario Kreutzer
Kostümassistenz: Sophia Neuhofer
Technik: Hanna Rebstock, Bernhard Ott
Photographie, Plakat: Sabine Schnell

Rechte: Henschel, Theaterverlag Berlin

Premiere: 19. Januar 2008

Dauer: 120 Minuten und eine Pause

Donpresse

Don Quijote

von Miguel de Cervantes, nach dem Stück von Michael Bulgakow,
in einer Fassung des Theater im Marienbad

für Kinder ab 8 Jahren und Erwachsene

Der genialste Komiker der Stummfilmzeit, Charlie Chaplin, besaß in seiner Rolle des ewigen Tramps bekanntlich einen kleinen Stock, der ihm in den ungünstigsten Momenten den Dienst als Stütze versagte und somit den armen Helden zu Boden stürzte – das war der Slapstick. Wer so etwas mit Klamauk verwechselte, hatte Chaplin und die Welt nicht verstanden, denn in der Tücke der kleinen Dinge liegt die ganze Tücke der großen Welt verborgen. Das Tragische grenzt nämlich meist an Lächerlichkeit, und wer verlacht wird, durchleidet wahre Tragik. Der Urahn Chaplins heißt bestimmt Don Quijote und man sieht ihm seine vierhundert Jahre nicht an. Sein Kampf gegen die Windmühlen, die sprichwörtliche Donquijoterie bleibt das Sinnbild für einen, der die Welt gerne anders hätte, aber im kleinsten Versuch, sie  zu  verändern regelmäßig mit angebrochenen Flügeln abstürzt, und dabei für den Spott nicht sorgen muss. Das kennen wir – doch was so einen Ritter von LaMancha zum Helden verwandelt, ist, dass er zerschunden wieder aufsteht und nicht ablässt von seinem Tun. So wird aus dem geradezu seriellen Scheitern fast schon ein strahlender Sieg, der ahnen läßt, das das Bemühen, an der Welt, wie sie so ist, etwas zu verändern, nicht ganz so hoffnungslos ist.

Cervantes schreibt sein Epos um 1610, in einem Spanien, das an der Spitze der europäischen Gegenreformation steht und auf seinen Marktplätzen die Feuer der heiligen Inquisition brennen läßt, in seinen Verließen Juden, Mauren und Ketzern den Weg zur ewigen Seeligkeit zeigt. Chaplin erzählt seine Geschichten vom verlorenen Menschen in den Zeiten des weltweit erwachenden Faschismus und muss seine Wahlheimat, die USA, wegen unamerikanischer Umtriebe für immer verlassen, und Michail Bulagakow, der Cervantes so kongenial für die Bühne bearbeitet hat, tat dies, als er bereits in politische und künstlerische Ungnade der stalinschen Sowjetunion gefallen war. Wer wollte da in solchen Zeiten behaupten, es gäbe keine bösen Zauberer und Riesen mehr, und wer solche sähe, wäre eben bloß verrückt?

   Die Suche nach den Riesen von heute sei jedem selbst überlassen. Vielleicht ist der böse Magier just der, der uns der geistigen Werkzeuge zu seinem Erkennen gerade beraubt, und versucht uns in ein Hochglanzmagazin des täglichen Lebens zu sperren?