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Für alle reicht es nicht

Themenreihe von Dezember 2019 bis Dezember 2020

„Für alle reicht es nicht“ – mit diesen Worten hat der Dramatiker Heiner Müller unsere moderne Gesellschaft im Kapitalismus umschrieben. Gelder, Chancen, Ressourcen sind ungleich verteilt und so kommt es folglich immer wieder dazu, dass Menschen, Ideen, Organisationen und Andere keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft finden. „Für alle reicht es nicht“ – unter dieser Überschrift wollen wir uns mit eigenen Produktionen, Gastspielen, Lesungen, Diskursveranstaltungen und Konzerten bestehenden Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft widmen. Seien es (Kinder-)Armut, Bildungschancen, Meinungsfreiheit (der Kunst), Rassismus, Sexismus – die Ausschlussmechanismen unserer Gesellschaft sind tiefgehend.

„Es gibt viele Güter auf der Welt, diese sind aber ungleich verteilt. Häufig wird Theater als Hochkultur abgetan. Das ist meiner Meinung nach Quatsch. Doch können in Freiburg tatsächlich alle Kinder und Jugendliche ins Theater kommen? Diese Frage kann man von vielen Seiten betrachten. Nicht nur Finanzielles, sondern auch der Zugang zu Kunst und Bildung ist entscheidend.“

–  Anna Fritsch im Fudder-Interview

Eingestiegen in die Reihe sind wir am 08.12.2019 mit dem Konzert von Ebru Düzgün alias Ebow. Die erfolgreiche Rapperin setzt sich mit ihrer Musik u.a. gegen Sexismus, Rassismus und Homophobie und für eine offene, solidarische und gleichgestellte Gesellschaft ein. Erstmals Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte Ebow durch Guerilla-Auftritte in Waschsalons, Supermärkten oder der Straßenbahn. Heute tritt die in Wien und Berlin lebende und arbeitende Künstlerin zwar auf konventionelleren Bühnen auf, ihre Message aber bleibt provokant und politisch. 2013 erschien ihr Debütalbum "Ebow". Der Nachfolger "Komplexität" war im November 2017 ihr erstes Album auf Problembär Records und sollte inhaltlich und musikalisch der Diversität unserer Gesellschaft Rechnung tragen. Ihr neues Album "K4L" widmet sich hingegen den Gemeinsamkeiten und jenen Dingen, die uns alle verbinden.

„ Ein paar weitere Songs hätte Ebow zwar spielen können, dennoch hat das Marienbad mit diesem Booking Geschmackssicherheit bewiesen. Hoffentlich entscheiden sich die Verantwortlichen für weitere Konzerte in dieser außergewöhnlichen Location.“

– Stefan Mertlik auf Fudder
 

„Düzgün singt und rappt, mal laut, mal leise – und macht Mut, mit jedem Ton, der durch den Raum schallt. Sie sagt in Interviews immer wieder: Ich bin bei den Deutschen die Türkin, bei den Türken die Kurdin, bei den Kurden die Alevitin, bei Aleviten die Queere. Dabei sollte Düzgün für alle nur eins sein – ein Vorbild. Ein Vorbild, das deutlich macht: Es könnte für alle reichen.“

– Laura-Cäcilia Wolfert in der Badischen Zeitung