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Regie: Dieter Kümmel
Dramaturgie: Stephan Weiland
Regieassistenz: Sonja Karadza
Bühne: Martin Baldenhofer
Kostüme: Margrit Schneider
Musik, Sounddesign:   Ingo Burghardt, Matthias Mohr
Geräusche:  Heinzl Spagl
Licht: Bernhard Ott, Hanna Rebstock

 es spielen:
Christoph Müller
Kirsten Trustaedt-Kümmel
Hubertus Fehrenbacher
Daniela Mohr
Heinzl Spagl 
Dietmar Kohn
Renate Obermaier
Joanna Kapsch / Nadine Werner
Martin Klaus
Lukas Schütte
Markus Kammermaier
Sebastian Menges
Bastian Voigt

Technik: Bernhard Ott, Hanna Rebstock
Bühnenbau: Martin Baldenhofer, Tommy Müller
Schneiderei: Anja Fehrenbacher
Photographie: Sabine Schnell

 

Rechte: Thomas Sessler Verlag, Wien

Freiburger Premiere: 22. Oktober 2005

Mülheimer Premiere: 26. Oktober 2005
 

Dauer: 150 Minuten und eine Pause

gefördert vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein- Westfalen und der Landesstiftung Baden-Württemberg

Lukas

Jugend ohne Gott

ein Seh-Hörspiel
nach dem Roman von Ödön von Horváth
in einer Bühnenfassung von Stephan Weiland

für Jugendliche und Erwachsene

1934, ein Jahr nach der nationalsozialistischen Machtergreifung. Ein 34-jähriger Lehrer, äusserlich angepasst, innerlich resignierend, sieht in den Schülern seiner Klasse nur noch eine verrohte Jugend ohne Ideale und Ziele. Seine beiläufige Bemerkung, auch Neger seien doch Menschen, bringt die Klasse und Eltern geschlossen gegen ihn auf. Bei einem Zeltlager, das der Wehrertüchtigung der Jugend dienen soll, geraten die Dinge vollends aus dem Lot. Als im Lager Sachen gestohlen werden, beobachtet der Lehrer, der die aufgestellten Wachen beaufsichtigt, die nächtliche Begegnung eines seiner Schüler mit einem fremden Mädchen. Um mehr zu erfahren, verschafft er sich Zugang zu dessen Tagebuch – und sieht sich, als tags darauf ein anderer Schüler erschlagen aufgefunden wird, in ein grausames Verbrechen verstrickt. Erst bei der folgenden Gerichtsverhandlung gesteht er, seine berufliche Laufbahn aufs Spiel setzend, seinen Teil der Schuld; er bricht sein Schweigen und kommt mit seinem Gewissen ins Reine. Doch der wahre Täter ist noch nicht gefunden.

Horváths Roman beschreibt die  schleichende Gleichschaltung und die sukzessive Durchsetzung eines totalitären Systems. Aus der Sicht des Lehrers schildert der Roman die Manipulierbarkeit der Zivilgesellschaft und die Anpassung des Einzelnen, die den scheinbar normal verlaufenden Alltag durchdringt. Eingebettet in eine Kriminalgeschichte, entfaltet sich als zentrales Motiv die Frage nach der Glaubwürdigkeit eigenen Handelns.

Er selbst bemerkte über seinen Roman: „Es ist mir dabei noch etwas aufgefallen, nämlich dass ich, ohne Absicht, auch zum erstenmal den sozusagen faschistischen Menschen (in der Person des Lehrers) geschildert habe, an den die Zweifel nagen .. oder besser gesagt: den Menschen im faschistischen Staate.“

 Horvath schrieb diesen Roman 1937 im Exil, nachdem er zuvor noch selbst versucht hatte, sich als Autor mit dem Naziregime zu arrangieren. In den Vorarbeiten finden sich – später verworfene- Titel wie „Das Zeitalter der Fische“, Auf der Suche nach den Idealen der Menschheit, „Aufzeichnungen eines Lehrers aus unserer Zeit“. Auf Anhieb ein grosser Erfolg, wurde „Jugend ohne Gott“ in acht Sprachen übersetzt – und von den Nazis sofort verboten und alle Exemplare im Reich konfisziert. 1938 starb Horváth auf den Champs-Elysées in Paris, erschlagen von einem herabstürzenden Ast. Er kam von einem Treffen mit R. Siodmak, der den Roman für Hollywood verfilmen wollte.

 Horváths lakonischer Sprache verpflichtet, bringt die Theateradaption, ohne auf historische Bebilderung zurückzugreifen, das Geschehen in Form eines Hörspiels auf die Bühne und fordert zu einer Debatte über Werte und Orientierung, über Vorurteile und Verantwortung heraus. Nicht zuletzt zeigt sich in der fast motivlos begangenen Mordtat eine bestürzende Aktualität.