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"Simurghs letzte Feder" Ein Spiel nach Motiven aus Ferdousis Schahnameh

in einer Textfassung Mohammad Charmshir (IR)

in einer Textfassung Mohammad Charmshir (IR)

Eine Koproduktion von Dramatic Art Center Teheran und Theater im Marienbad

für Jugendliche und Erwachsene

„Du brauchst etwas, was dich mit der Welt verbindet, sonst wirft man dich einfach weg.“
Ein Kind wird ausgesetzt, weil es weiße Haare hat. Ein Vater tötet seinen Sohn, weil er ihm auf dem Schlachtfeld auf der Seite der Feinde gegenüber tritt. Ein junger Mann wird in einen Brunnen eingesperrt, weil er sich in die falsche Frau verliebt hat. „Ist es besser, man bleibt ungeboren, solange diese Welt es nicht gut mit einem meint?“

 Das Schahnameh, das persische „Buch der Könige“, ist voll von Geschichten, die immer und immer wieder erzählt werden müssen,weil sie so unbegreiflich sind. Von Ferdousi im 10. Jahrhundert aufgeschrieben, nimmt das Schahnameh die bis dahin mündlich überlieferten Geschichten auf. Es finden sich darin viele Analogien zur griechischen Mythologie, zu den Epen Homers, selbst zum Hildebrands- und Nibelungenlied. In Deutschland weitgehend unbekannt, gehört das Schahnameh im persischen Kulturkreis zur alltäglichen Sprach- und Bilderwelt.

In Zusammenarbeit mit dem iranischen Autor Mohammad Charmshir hat sich das zweisprachige Ensemble um den Regisseur Stephan Weiland mit dem tausend Jahre alten „Buch der Könige“ auseinandergesetzt. Auf der Suche nach dem Vertrauten im Fremden und dem Fremden im Vertrauten ist ein Theaterabend entstanden, der einzelne Motive und Situationen aus dem Schahnameh herausgreift und sie mit der jeweiligen Erfahrungswelt beider Kulturen konfrontiert. Durch die Zweisprachigkeit tritt die emotionale Qualität des Spiels in den Vordergrund und führt nicht nur zu einer großen Intensität, sondern auch zu fantastischen theatralen Bildern.

zum Stück:

Zwei Sprachen, zwei Kulturen und fantastische Geschichten aus einer vergangenen Kultur: „Gibt es etwas? – Man muss nur wissen, wo man suchen muss.“
Eine Gruppe von Schauspielern sucht nach einem Weg, die Geschichten aus dem Schahnameh zu erzählen. Wo sollen sie anfangen? Mit Zal, dem ausgesetzten Kind, das von Simurgh gerettet wird? „Simurgh ist ein Vogel aus den Mythen. Sie wird aus sich selbst geboren und lebt, so lange sie will.“ Ihre Federn besitzen magische Kräfte: Wenn man sie ins Feuer wirft, heilen sie den Schmerz der Welt. Simurgh schenkt Zal alle ihre Federn und nimmt ihn mit auf eine Reise in seine zukünftige Vergangenheit. Sie warnt Zal. Wenn er die letzte Feder verbrennt, wird sie sterben. Aber Zal ist voller Hoffnung auf eine gerechte Welt. Auf ihrer Reise begegnen ihnen Zals Söhne – Rostam und Sohrab, Siyawosch, Bijan und Manijeh – und Zal verbrennt eine Feder nach der anderen. Simurgh ist müde von der Reise und von Zal, der überall nur das findet, was er sucht: seine eigene Schuld. Wird er auch die letzte Feder verbrennen, um seinen Sohn, Rostam, den großen Helden aus dem Schahnameh, zu retten? „Es ist wie ein Spiel, nicht das Spiel selbst, es ist wie ein Spiel.“
Aus Improvisationen des zweisprachigen Ensembles entstanden, konfrontiert die Inszenierung einzelne Motive und Situationen des persischen Epos mit den kulturspezifischen Erfahrungen der Gegenwart.
Im Zentrum des Schahnamehs steht der Konflikt zwischen den Vätern und den Söhnen, der in allen seinen Spielarten aufgefächert wird: als Frage nach Gerechtigkeit, als Gratwanderung zwischen Hybris und Demut, als Heldenbild im Spannungsfeld zwischen Autonomie und Gehorsam, als Widerstreit von Glaube und Vernunft.