Weil // Stefan Kaegi

Weil im Theater das Handy ausgeschaltet ist.
Weil ich Andere atmen höre.
Weil wir gemeinsam den Atem anhalten.
Weil wir gemeinsam still sind.
Weil wir Hormone ausdünsten.
Weil es einfacher ist, sich in Menschen zu verlieben, mit denen man Hormone ausgedünstet hat.
Weil ich über etwas weinen kann, das nichts mit mir zu tun hat.
Weil ich im Theater nicht einsam bin.
Weil niemand Theater allein machen kann.
Weil Menschen, die ich nicht kenne, neben mir sitzen. Auch Menschen, die ich nicht ertragen kann.
Weil Menschen, die sich normalerweise an die Gurgel gehen würden, nebeneinander auf der Bühne stehen können.
Weil jede/r Theater machen kann.
Weil Theater spielen, gemeinsam spielen bedeutet.
Weil im Endeffekt jede/r eine eigene Rolle spielt, auch wenn manche versuchen, andere zu spielen.
Weil jeder künstlerische Höhenflug von Kindern oder Tieren übertrumpft wird.
Weil alle wissen, was Theater ist.
Weil niemand das so genau weiß.
Weil alle überrascht sind, was Theater auch sein kann.
Weil Theater überall passieren kann.
Weil die Zuschauenden auch eine Rolle haben, selbst wenn sie sich im Zuschauerraum verstecken.
Weil die Vorstellung zu jedem Zeitpunkt von jeder Person im Raum angehalten werden kann.
Und weil das nie passiert.
Weil das Theater Verhalten vorausgesagt hat, lange bevor es Algorithmen gab.
Weil hier Zeit vergeht, die niemand im Zuschauerraum geplant hat.
Weil es zwei Sekunden braucht, bis der Applaus ausbricht.
Weil Theater ähnliche Regeln hat wie Politik.
Weil ich im Theater sehe, wie es gemacht wird, und im Anschluss die Muster überall dort wiedererkenne, wo Macht ausgeübt wird.
Weil Komplexität auf der Probebühne materialisiert werden kann.
Weil hier das Unbeschreibliche greifbar wird.
Weil im Theater Dinge passieren, die kein Teil der Literatur sind.
Weil sich im Theater das Inszenierte und das Unvorhergesehene begegnen.
Weil nirgendwo anders Hänger und Pannen so aufregend sind.
Weil Theater beschämend ist.
Weil man eine Stecknadel fallen hören kann.
Weil nirgendwo anders Nichts mit solch einem Gewicht passiert.
Weil wir vor der Vorstellung ängstlich sind. Und weil wir danach erleichtert sind.
Weil ich im Theater zwischen all den Menschen einschlafe und meine Träume nicht von der Vorstellung trennen kann.
Weil es im Winter warm ist.
Weil hier Erinnerungen entstehen, ohne dass sie auf Kamera festgehalten werden.  
Weil Theater nicht gesammelt und für einen zu hohen Preis verkauft werden kann.
Weil Theater nicht für immer da ist.
Weil Theater immer nur einmal passiert.


Aus: "Why Theatre?" - Golden Book V, published by NTGent (Verbrecher Verlag 2020)

 

Spielplan

April 2021

21 Mi 10:00 h

Corpus Delicti // 15+

Vorstellung entfällt

22 Do 10:00 h

Corpus Delicti // 15+

Vorstellung entfällt

23 Fr 19:00 h

Corpus Delicti // 15+

Vorstellung entfällt

24 Sa 20:00 h

Corpus Delicti // 15+

Vorstellung entfällt

26 Mo 10:00 h

Corpus Delicti // 15+

Vorstellung entfällt

27 Di 10:00 h

Corpus Delicti // 15+

Vorstellung entfällt

Mai 2021

1 Sa 16:00 h
2 So 16:00 h
4 Di 10:00 h
5 Mi 10:00 h
6 Do 10:00 h
7 Fr 10:00 h
11 Di 14:15 h

Die besten Beerdigungen der Welt // 5+

GASTSPIEL AM THEATER CHUR

12 Mi 18:00 h

Die besten Beerdigungen der Welt // 5+

GASTSPIEL AM THEATER CHUR

15 Sa 19:00 h

Satelliten am Nachthimmel // 10+

Vorstellung entfällt

16 So 16:00 h

Satelliten am Nachthimmel // 10+

Vorstellung entfällt

18 Di 10:00 h

Satelliten am Nachthimmel // 10+

VVK-Start mit Wiederaufnahme des Spielbetriebs

19 Mi 10:00 h

Satelliten am Nachthimmel // 10+

VVK-Start mit Wiederaufnahme des Spielbetriebs

20 Do 10:00 h

Satelliten am Nachthimmel // 10+

VVK-Start mit Wiederaufnahme des Spielbetriebs

21 Fr 10:00 h

Satelliten am Nachthimmel // 10+

VVK-Start mit Wiederaufnahme des Spielbetriebs

23 So 16:00 h

Satelliten am Nachthimmel // 10+

VVK-Start mit Wiederaufnahme des Spielbetriebs