Der junge wilde Parzival lebt mit seiner Mutter im Wald. Sie will die Welt von ihm fernhalten, die sie haßt, weil sie ihren geliebten Mann verloren hat. Noch nie hat Parzival einen fremden Menschen gesehen. Aber als er von seiner Herkunft erfährt, will er ein Ritter werden wie sein Vater einer war.

Er verläßt seine Mutter, die vor Schmerz darüber stirbt. Er lernt zu sagen "Ich bin Parzival", und sich anderen verständlich zu machen. Aber er kennt den Unterschied zwischen Gut und Böse nicht, er muß alles neu lernen und alles, Schmerz und Glück, am eigenen Leib erfahren. Er trifft auf eine Gesellschaft der Intrigen, der Arroganz, aber auch der Zerstörung und der Verzweiflung. Auf seiner Suche nach dem Glück, der Erlösung, dem heilsbringenden Gral, wird er selbst zum Mörder und Zerstörer, verzweifelt er und findet Trost nur, wo er sich selbst erkennt.

Tankred Dorsts Szenarium führt die heldische Figur Parzival auf einen Weg aus dem finsteren Wald des Mittelalters bis in die Neuzeit und in unsere Gegenwart - entlang an den Verbrechen, die im Namen der zweifelhaften Versprechung endgültiger Erlösung erfolgt sind. Begleitet wird er von Merlin, der sagenhaften Gestalt des Magiers, der ihn zu verwirren versucht, ihm Fragen stellt und ihn neugierig verfolgt.  Was Parzival lernen muß ist: Daß es Schuld gibt und daß für ihn in der unschuldigen Naturwildnis kein Platz mehr ist.

Enstanden ist "Parzival, ein Szenarium" aus der jahrelangen Auseinandersetzung Tankred Dorsts mit der Figur Parzivals. Er selbst schrieb dazu: 

"Parzival war der Ritter, der mir, in meiner frühen Jugend, voraus und manchmal neben mir her ritt, mit seinen Augen wollte ich die Welt ansehen. Wie er wollte ich mich von meiner Umgebung absondern, den besonderen Weg gehen, den andere noch nicht betreten hatten. Ich verachtete in meinem pubertären Hochmut die Gesellschaft, aber eine Art Ritter wollte ich dennoch werden. Wie Parzival war ich einfältig, wußte nicht, was unter der eisernen Haut für ein Herz schlägt. Und ich wäre wohl, als alle Welt und ich selber sahen, welche Verbrechen in meinem und in Parzivals Namen geschehen waren, gern zurückgekehrt in die Wälder und Wildnis des Anfangs, um mich darin zu verstecken. Der Wald aber war abgeholzt, die Stadt verwüstet, die Getöteten standen nicht wieder auf. Nun haßte ich den Knaben Parzival, er schien mir ein Heuchler zu sein. Ich wollte mich von ihm fernhalten, sah ihn gehen und sprang ihm doch nach, um ihm immerfort zuzurufen: Du hast mich enttäuscht! Du hast mich betrogen! Ich bin in Wahrheit nie so gewesen wie du, ich bin von dir verführt worden zur unwissenden Teilnahme an deinen Verbrechen!"

 

Regie
Dieter Kümmel

Musik: 
Guus Ponsioen

Bühne: 
Roland Söderberg, 
Martin Baldenhofer 

Kostüme:
Sabine Steinort

Dramaturgie: 
Stephan Weiland

Es spielen:
Daniela Mohr 
Renate Obermaier
Kirsten Trustaedt 
Hubert Fehrenbacher
Horst Gessner Dietmar Kohn 
Christoph Müller
Kai Orlob
Heinzl Spagl 

Ton: 

Ingo Burghardt

Gesang:
Dorothee Maly/ 
Stephanie Zink
Christian Wunsch/ 
Michael Reidick

Musikerensemble:
Piano: Nathalie Damm/ 
Steffen Jahnke/ 
Susanne Schedlinski
Oboe: Kerstin Lange/ 
Maike Buhrow/ 
Lenka Geiger
Percussion:
Jürgen Maurer/ 
Frank Bockius/ 
Konstanze Stiebler
Gitarre:
Ingmar Winkler/ 
Wolfgang Schubert
Cello: 
Almuth Ensinger/ 
Isabel Eichenlaub

Rechte:
Suhrkamp Verlag 

Premiere:
8. Mai 1996

Gesamtspieldauer:
195 Minuten 

für Jugendliche und Erwachsene