Politischer Kampf um eine eigene Spielstätte

Der zweite Teil unserer Ausstellungsreihe rund um die Geschichte des Vereins des Freiburger Kinder- und Jugendtheaters widmet sich dem politischen Kampf für eine eigene Spielstätte in Freiburg. Schon in den frühen 1970er Jahren forderte das Freiburger Kinder- und Jugendtheater eine eigene Spielstätte – doch der Wunsch blieb lange unerfüllt. Die Gruppe spielte im Theatersaal der Alten Universität (heute Literaturhaus Freiburg), doch durch die Mitnutzung durch andere Gruppen fehlten Raum und Zeit für kontinuierliche Produktionen. Trotz fehlender eigener Bühne machte sich das freie Theater mit seinen anspruchsvollen Inszenierungen für alle Generationen einen Namen in Freiburg. 

Wie viele andere Initiativen der alternativen Szene suchte auch der Verein des Freiburger Kinder- und Jugendtheater nach einem festen Ort für seine Kunst. Immer wieder wurden leerstehende Gebäude aus Protest besetzt, Tausende Freiburger*innen demonstrierten, wenn besetzte Orte wie das Dreisameck oder der Schwarzwaldhof von der Polizei geräumt wurden.

Der damalige OB-Kandidat Rolf Böhme (SPD) suchte das Gespräch mit diesen Gruppen. Er versprach, sich im Falle seiner Wahl ernsthaft mit dem Mangel an Räumen für alternative Kultur auseinanderzusetzen. Sein Wahlversprechen lautete: „Ich will Ja sagen zu Toleranz und alternativen Lebensformen – aber auch Nein zu Rechtsbruch und Gewalt.“ 1982 wurde Böhme mit knapper Mehrheit zum Oberbürgermeister gewählt.

Dem Verein wurde das leerstehende Jugendstilbad Marienbad zugesprochen, das Anfang der 1970er Jahre geschlossen worden war – wegen des Neubaus des Faulerbads und dringender Sanierungsbedarfe. Noch vor der offiziellen Übergabe begannen die Planungen für den Umbau. Doch 1984 kam die überraschende Kehrtwende: Eine Bürgerinitiative setzte sich für den Erhalt des Marienbads als Schwimmhalle ein – es öffnete für ein Jahr noch einmal seine Türen, bevor es endgültig geschlossen wurde.

Die Theatergruppe reagierte enttäuscht und kündigte an, einer Einladung nach Frankfurt zu folgen. Gleichzeitig betonte sie, dass jene Mitglieder, die in Freiburg blieben, weiter für Räume für alternative Kultur kämpfen würden. Andere Ersatzräume wurden abgelehnt – das Marienbad blieb ihr erklärtes Ziel. Oberbürgermeister Böhme blieb dem Theater in diesem Ringen treu verbunden.

1985 kam es zu einer erneuten Abstimmung im Gemeinderat über die Zukunft des Marienbads. Neben Böhme setzte sich auch die sogenannte „Fraktion der Vernunft“ für das Theater ein – ein überparteiliches Bündnis aus fünf Stadträtinnen: Gertraude Ils (SPD), Emilie Meyer (Die Grünen), Ursula Kopf (CDU), Edith Goldschagg (FDP) und Ingrid Baas (Freie Wähler). Das Kulturquintett engagierte sich nicht nur für das Theater im Marienbad, sondern auch für das Kommunale Kino, das Feministische Archiv und das Radio Dreyeckland.

Die Abstimmung fiel schließlich zugunsten des Freiburger Kinder- und Jugendtheaters aus – und damit für den Umbau des ehemaligen Schwimmbads zum Theater. In den Plänen des Umbaus sollten Architektur und Raum in das zukünftige (Theater)Spiel eingebunden werden. Dafür wurden Symposien in Waldsee und auf dem Grether-Gelände veranstaltet und Expert*innen aus politischen, pädagogischen, psychologischen und szenografischen Bereichen eingeladen, um die neuen Räumlichkeiten eines progressiven Theaters zu gestalten. 

So konnte nicht nur die Theatergruppe an einer festen Spielstätte ankommen, sondern auch das Gebäude selbst zu einem Ort für freies, mutiges Theater werden.